Patent des Monats Oktober

  Erfinderinnen

Spurenloser Kunststoff

Angesichts von Klima- und Energiekrise ist Nachhaltigkeit das Gebot der Stunde! Darum wenden wir uns in diesem Monat einer besonders vielversprechenden Entwicklung zu, die antritt, um der globalen Plastikverschmutzung den Kampf anzusagen. Das Start-Up „traceless materials GmbH“ aus Hamburg hat eine Methode entwickelt, aus Getreideresten eine vollständig biologisch abbaubare Kunststoffalternative herzustellen. Dafür wurde es vor kurzem mit dem Deutschen Gründerpreis geehrt. Die zugrundeliegende Technologie ist 2020 international zum Patent angemeldet. Die Schrift WO2021249621A1 mit dem Titel „Process for producing water-resistant film from corn gluten material“ ist unser Patent des Monats Oktober!

Die beiden Gründerinnen Dr. Anne Lamp und Johanna Baare wollen mit ihrem Start-Up den „größtmöglichen Impact zur Lösung der globalen Plastikverschmutzung“ leisten. Großtechnisch hergestellte Kunststoffe aus Erdöl sind in vielerlei Hinsicht problematisch. Neben Ressourcenvergeudung und Erhöhung der globalen Treibhausgasemissionen hat vor allem die Tatsache, dass sie nicht biologisch abbaubar sind, fatale Folgen für die Ökosysteme.

Alternative Kunststoffe werden aus natürlichen Polymeren z.B. aus Stärke, Cellulose oder Lignin hergestellt, sie sind ressourcenschonend und außerdem mikrobiell abbaubar. Die Idee ist gar nicht neu. Bereits 1908 wurde Zellophanfolie erfunden, die bis in die 1950er Jahre den Massenmarkt für Verpackungsmaterialien dominierte. Sie zeichnete sich durch einen komplett nachhaltigen Lebenszyklus vom Ausgangstoff Pflanzenmaterial bis zur vollständigen Kompostierbarkeit aus, wurde aber in den 1960iger Jahren durch die kostengünstigeren petrolchemisch hergestellten Produkte verdrängt.

Der Ansatz des „Impact Start-Ups“ geht noch einen Schritt weiter. Um Nahrungsmittelkonflikte zu vermeiden, basiert die technische Lösung auf dem Einsatz von pflanzlichen Abfällen, wie sie als Nebenprodukte z.B. in der Getreideverarbeitung anfallen. Diese werden, wie im Patent beschrieben, zu einem Bio-Granulat aufbereitet, das zur Herstellung verschiedenster Kunststoffprodukte (z.B. Verpackungsfolien oder harte Kunststoffe, wie. Schalen, Becher, Besteck) geeignet ist. So ist das Produkt für einen breiten Markt einsetzbar. Ein weiterer Vorteil des Granulats: es kann von der konventionellen Industrie in bereits bestehenden Anlagen verarbeitet werden. So sind umweltverträgliche Alternativen möglich, ohne dass sich Industrie-, und Endkunden umstellen müssen. “Es ist uns ganz wichtig eine Lösung auf dem Markt zu bringen, die vom Endverbraucher keine Verhaltensänderung fordern, weil wir werden nicht die ganze Gesellschaft ändern.” sagt Johanna Baare.

Für die erfolgreiche Umsetzung ihrer Ziele ergänzen sich die beiden Firmeninhaberinnen optimal. Dr. Lamp ist gelernte Verfahrensingenieurin. Sie entwickelte das umweltfreundliche Bioraffinerieverfahren im Rahmen ihrer Promotion an der TU Hamburg. Ein reges Interesse seitens der Industrie brachte die Forscherin auf den Gedanken, das Start-Up zu gründen. Über den Berliner Inkubator „Project Together“ traf sie auf Johanna Baare. Die Unternehmensberaterin und Psychologin brachte ihre Erfahrung zu Business Strategien und Early Funding aus der Social Startup-Szene mit. Beide verbindet vor allem der Gedanke, dass alles rund um ihr Produkt nachhaltig sein muss. Das Unternehmen bleibt auf Erfolgskurs. 2021 zählte die traceless materials GmbH zu den meist prämierten Start-Ups. Das Unternehmen, das mittlerweile mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigt, hat mit dem Versandhaus Otto und der Lufthansa zwei namhafte Partner für erste Projekte gefunden. Für Ende 2022 sind bereits weitere Investorenrunden geplant, bis 2030 wollen die beiden Visionärinnen bereits eine Million Tonnen ihres spurenlosen Materials produzieren.

Das Patent- und Normenzentrum wünscht viele gute Ideen für eine nachhaltige Zukunft!

„Von der Idee zum Produkt“ – Wir bieten maßgeschneiderte Dienstleistungen zum Schutz des geistigen Eigentums für Forschung, KMU, Handwerk & Gründungen. Alle Dienste sind virtuell verfügbar!

Quellen:

Traceless

Deutscher Gründerpreis 2022

Bioökonomie

K5

Businessinsider

Patentschrift

Bildquelle: Deutscher Gründerpreis 2022