Patent des Monats Juni

  Abbildung aus Patentschrift

Die Dauerwelle

Nach wochenlanger Schließung aufgrund der Corona-Krise endlich wieder zum Friseur - für viele ein echter Zugewinn an Lebensqualität. Grund genug, einmal auf die Haartrends 2020 zu schauen. Dort gibt es ein echtes Comeback: die Dauerwelle hält nach vielen Jahren wieder Einzug in die Friseursalons! Das Verfahren wurde vor genau 111 Jahren von Karl (Charles) Ludwig Nessler in Großbritannien unter der Nummer GB190920597 zum Patent angemeldet– unser Patent des Monats Juni.

Der Erfinder, der 1872 in Todtnau im Schwarzwald geboren wurde, war ein Arbeitsnomade: nach der Lehre in Deutschland sammelte er Berufs- und Auslandserfahrung in Mailand, Genf und Paris, wo er seinen Namen in Charles Nessler änderte. Schließlich wurde er in London sesshaft und eröffnete einen Friseursalon in der exklusiven Oxford Street. Der kreative Kopf war dort zunächst mit der Herstellung künstlicher Augenbrauen und –wimpern erfolgreich und erhielt dafür 1902 sein erstes Patent.

Das von Nessler geschützte Verfahren, das Haar dauerhaft zu wellen, war eine Kombination aus chemischen und mechanisch-thermischen Komponenten. Dabei wurden die Haarsträhnen mit Borax-Lösung getränkt, auf Spiralwicklern aufgedreht und mittels einer Zange einzeln erhitzt. Seine Partnerin und spätere Ehefrau Katharina Laible war als Erste bereit, die Methode an sich zu erproben. Die ersten Versuche waren äußerst schmerzhaft für die Probandin, da es aufgrund der heißen Zange zu Verbrennungen auf der Kopfhaut kam. Trotz Brandblasen und versengten Haaren war zu erkennen, dass das Prinzip funktionierte. Nach weiteren Experimenten und Verbesserungen konnte Nessler seine Idee am 6. Februar 1909 zum Patent anmelden.

Als unerwünschter Ausländer emigrierte Nessler während des Ersten Weltkriegs in die USA und musste wieder bei null anfangen. Seinem Erfinder- und Unternehmergeist konnte dieser Rückschlag nichts anhaben. Zügig meldete er eine verbesserte Apparatur mit der von ihm gegründeten Nestle Patent Holding Co. Inc. auch in den USA zum Patent an und der Siegeszug der Dauerwelle war nicht mehr aufzuhalten.

Im Laufe der Jahre wurden dann für Haar- und Kopfhaut schonendere Verfahren entwickelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte mit der sogenannten „Kaltwelle“ ganz auf die thermische Behandlung verzichtet werden.

Ihren großen Boom erlebte die Dauerwelle in den 1970er Jahren mit dem populären „Afro-Look“, danach galt sie lange Zeit in den meisten Kreisen als indiskutabel. Aktuell erfährt die chemische Haarbehandlung ein Update und zeigt sich von einer moderneren Seite. Die einst steif wirkenden Korkenzieherlöckchen werden jetzt etwa von großen, weich fallenden Locken abgelöst.

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 Quellen:

www.wikiwand.com/de/Karl_Ludwig_Nessler

GB190920597 – Improvements in Apparatus for us in Waving Natural Hair on the Head 

www.nessler-todtnau.de/index.php?site=erfindung&menu=erfindung# 

Wikipedia: Karl Ludwig Nessler

Wikipedia: Dauerwelle

www.elle.de/dauerwelle-haar-trend