Patent des Monats Dezember

04.12.2018
  Menschen mit Hörhilfen Urheberrecht: Stefan Liebich

Hörhilfen ohne Störeffekte und Stimmenverzerrung

Wenn Opa Hoppenstedt Weihnachten mal wieder seine Musik zu laut hört…dann könnte ihm unser Patent des Monats Dezember weiterhelfen: Für einen verbesserten Hörkomfort hat das Institut für Kommunikationssysteme der RWTH Aachen die moderne Hörgerätetechnik weiterentwickelt. Daraus resultierte das Patent mit der Nummer DE102016011719B3, das 2017 (und damit nur 12 Monate nach Anmeldung) unter dem Titel „Aktive Unterdrückung des Okklusionseffektes in Hörhilfen“ beim Deutschen Patent- und Markenamt erteilt wurde.

Auch moderne Hörgeräte konfrontieren ihre Träger mit dem Problem, dass der Klang der eigenen Stimme verzerrt und dumpf wahrgenommen wird. Grund dafür ist die sogenannte Okklusion. Sie resultiert daraus, dass der Schlauch, über den die Schallsignale, die über ein Mikrofon erfasst, analog oder digital verstärkt mit einem Lautsprecher an das Ohr übermittelt werden, den Hörkanal zum Teil verschließt. Verschiedene Lösungsansätze, wie eine Belüftung des Ohrkanals oder eine sehr tiefe Einführung der Hörhilfe in den Ohrkanal, erzielten keine nennenswerten Verbesserungen des Problems.

Die RWTH-Forscher um Stefan Liebich erweiterten in ihrem Ansatz die bisherigen Lösungen mit ausgefeilter Reglungstechnik. Sie entwickelten ein Optimierungsverfahren, das die eintreffenden Signale auf das individuelle Hörempfinden der Träger abstimmt und so den Okklusionseffekt kompensiert. Wesentliche Neuerung dabei ist die Bestimmung einer Sensitivitätsfunktion mit Berücksichtigung der anatomischen Gegebenheiten. Der aktive Regler, der in die Steuerungseinheit des Hörgerätes integriert wird, stimmt anhand dieser Sensitivitätsfunktion die eintreffenden mit den wahrgenommenen Signalen ab und individualisiert diese. Diese Kompensation der Störgeräusche verbessert das natürliche Hörgefühl der Stimme.

Neuheit bezüglich des existierenden Standes der Technik, Relevanz und Potential der Erfindung zeigen sich in der Bearbeitungsgeschwindigkeit durch das DPMA: Das Prüfverfahren auf Patenterteilung wurde in Rekordzeit durchlaufen und war bereits vor Ablauf der Offenlegungsfrist von 18 Monaten abgeschlossen. Zur Sicherung künftiger Märkte wurde die Entwicklung 2018 zum internationalen Patent (WO2018059736A1) angemeldet.

Wir sind sehr beeindruckt und drücken die Daumen für einen erfolgreichen Technologietransfer!

Das Patent- und Normenzentrum wünscht eine stille, fröhliche Weihnachtszeit und ein erfolgreiches Jahr 2019!

„Von der Idee bis zum Produkt“ – Praxisnahe Dienstleistungen für Forschende, Unternehmerinnen und Unternehmer, Handwerkende, Gründende und freie Erfinderinnen und Erfinder bietet Ihnen Ihr Patent- und Normenzentrum Aachen!

Quellen:

https://www.iks.rwth-aachen.de

https://provendis.info/technologien/alle/technologie/occlusion-effect-cancellation-individuelle-aktive-unterdrueckung-des-okklusionseffektes-in-hoerhilf/

https://ieeexplore.ieee.org/document/7760567

Bildquelle: Stefan Liebich / www.iks.rwth-aachen.de